Markt und Meinung - Juni 2011
Upps, ist uns gar nicht aufgefallen …
Rentner oder pensionierter Beamter müsste man sein. Selbstverständlich nicht in Neheim-Hüsten oder in Övelgönne, sondern – wo wohl? – in Griechenland. Dort also, wo die Wiege der abendländischen Kultur steht, lässt es sich dank fast ganzjährig milder Temperaturen, herzhafter Oliven und durchschlagskräftigen Ouzos auf dem Altenteil nicht nur gut leben. Geld – heißt: Rente oder Pension – gibt’s offenbar und nicht allzu selten auch, nachdem das Altenteil bereits etliche Jahre im vaterländischen Mutterboden verbuddelt ist.
So soll die staatlich-griechische Pensionskasse für immerhin rund 4.500 Ex-Staatsbedienstete gezahlt haben, deren Vitae längst zu den finalen Akten gelegt wurden. Klar, dass die Verwandten Zugang zu den Konten der Verblichenen hatten, doch ihnen nicht aufgefallen war, dass Monat für Monat ein paar hundert Euro Pensionen gezahlt wurden. Sorry, beziehungsweise dieses Entschuldigungswort übersetzt in die griechische Sprache – das haben wir gar nicht gemerkt.
Um die 9.000 über Hundertjährige sollen noch heute im Land der antiken dichtenden Denker leben und Altersgeld bekommen. Wobei die Betonung zweifellos auf den beiden Worten „sollen“ und „leben“ liegt. Denn so genau weiß dies das Sozialministerium auf dem Peloponnes nicht. Weshalb dies jetzt mal nachgeprüft wird. Denn es drängt sich die durchaus wirklichkeitsnahe Vermutung auf, dass Großvater oder Urgroßvater zwar Zeit seines Lebens dank des gesunden Olivenöls kerngesund war, aber bereits seit Längerem höchstens ein Fall für den Gerichtsmediziner ist. Den wenigsten Kindern, Enkeln und Urenkeln dürfte dies allerdings aufgefallen sein.
Womit wir für längere Zeit ausreichend Gesprächsstoff haben. Vor allem aber die Lufthoheit über den Stammtischen – vorzugsweise in abgelegenen Gegenden, wo sich sprichwörtlich Fuchs und Hase „Gute Nacht“ sagen und wo Ziege und Kuh oft die einzigen Wesen mit weiblicher Relevanz sind. Wir wussten es längst: Die Griechen sind faul und bekommen außer Gyros, Krautsalat und Tzaziki nichts auf die Reihe.
Ganz zu schweigen von den Portugiesen und Spaniern, die den ganzen Tag sonnen-dösig in der Hängematte lümmeln und nachts die mittel- und nordeuropäischen Puppen tanzen lassen. Übrigens: Die Italiener wären nicht anders, hätten sie nicht den GröFaZ (größten Führer aller Zeiten) Silvio Berlusconi, der sich bekanntlich die Haare nicht färbt und sich angeblich lieber um minderjährige Nordafrikanerinnen kümmert als Hand in Hand mit Guido Westerwelle über die Piaza Montecitorio in Rom zu flanieren. Da haben wir Steuerzahler noch mal viel Glück gehabt …
Dominik Strauss-Kahn soll hier dann doch kein Kalauer-behaftetes Thema sein. Nur so viel: Schon die beiden Bestandteile des Nachnamens könnten durchaus einschlägige Affinitäten signalisieren …
Nun zu den eher nebensächlichen Themen. DAX, DOW & Co. treten seit Wochen auf der Stelle, was Börsianer gern als „richtungslos“ bezeichnen. Bedrückend für den US-amerikanischen Aktienmarkt ist nur die sehr schleppend in Gang kommende heimische Wirtschaft, die mal hü und ein anderes Mal hott signalisiert. Überdies wird die hoffnungslos hohe Verschuldung zu einem zunehmend beunruhigenden Thema, obwohl diese über Jahrzehnte niemanden gestört hat. Mag sein, die US-Notenbank wird die Geldmärkte länger als gedacht oder erhofft mit Liquidität versorgen. Was erneut Inflationsängste schürt, insbesondere die Chinesen als einen der größten US-Gläubiger nicht erfreut, weil der Dollar noch schwächer werden dürfte. Bei uns in Europa spricht viel dafür, dass die EZB schon im Juli den Leitzins erneut um 25 Basispunkte anhebt. Das wiederum dürfte den Euro noch stärker machen und die Exportchancen hiesiger Unternehmen dämpfen.
Übrigens, der Strom kommt nach wie vor aus der Steckdose. Das ist bequem, das mögen wir sehr. Mit dem Unterschied zu früher, dass uns neuerdings interessiert, woraus dieser Strom gemacht wird. Aus Atom (igittigittigitt), aus Kohle (igittigitt), aus Gas (igitt), aus Kuhfladen (prima), aus Wind (super) oder aus Sonne (bestens). Weshalb nicht nur Rainer Brüderle als Wirtschaftsminister endgültig vom Netz genommen wurde, sondern auch eine gute Hand voll Atommeiler. Der Rest bis zum Jahr 2022.
Der Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg hat die Börsenkurse der beiden Versorger-Mammuts E.on und RWE ordentlich in die Knie gezwungen. Kostete doch eine E.on-Aktie zu Jahresbeginn noch 25 Euro, die RWE-Stämme um die 55 Euro. Dumm gelaufen für die Oligopolisten. Dort hatte man zu Recht vermutet, bei den Christlich-Liberallalas die Carte blanche zu haben. Und dann dieses Pech irgendwo weit weg in Japan. Wo doch ein havarierter Atommeiler historisch ähnlich bedeutsam ist wie jener zitierfähige Sack Reis, der mitten in China umfällt. Klar scheint: Ohne die Verluste der beiden Versorger-Schwergewichte stünde der DAX heute viel besser da.
Was also sind die Aktienmärkte derzeit? Nicht Fisch und nicht Fleisch. Nicht protestantisch und nicht katholisch. Nicht Pepsi und auch nicht Cola. Eher unausgegoren und entscheidungslahm. Würden wir zumindest eine recht hohe Volatilität haben, wäre das für Trader ideal. Aber noch nicht mal die gibt es.
Die Börsenhistorie lehrt, dass sich da etwas zusammenbrauen könnte. Nicht ausgemacht ist, welche Richtung die wohl bald wilde Fahrt einschlägt. Investoren können momentan noch mit beidem rechnen. Wobei – gefühlt dürfte es eher südwärts gehen.
Verfasser:
Heinz-Josef Simons, Finanzjournalist aus Köln
Erstellungsdatum: 08.06.2011
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